Rotkäppchen

Illustration zu „Rotkäppchen“, Seite 1

Es war einmal ein kleines Mädchen. Alle mochten es sehr, besonders seine Großmutter. Eines Tages schenkte die Großmutter ihm ein rotes Käppchen. Das Mädchen trug es so gerne, dass alle es nur noch Rotkäppchen nannten.

Eines Tages sagte die Mutter:

„Rotkäppchen, bring deiner Großmutter diesen Kuchen und diese Flasche Wein. Sie ist krank und schwach. Bleib auf dem Weg und sei vorsichtig!“

Rotkäppchen versprach:
„Ja, Mutter. Ich werde gut aufpassen.“

Die Großmutter wohnte in einem Haus mitten im Wald. Rotkäppchen machte sich auf den Weg.

Im Wald begegnete es einem Wolf. Rotkäppchen wusste nicht, dass der Wolf gefährlich war.

Der Wolf sagte:
„Guten Tag, Rotkäppchen!“

Rotkäppchen antwortete:
„Guten Tag, Wolf!“

Der Wolf fragte:
„Wohin gehst du so früh?“

„Zu meiner Großmutter. Ich bringe ihr Kuchen und Wein, weil sie krank ist.“

Der Wolf fragte:
„Und wo wohnt deine Großmutter?“

Rotkäppchen erklärte ihm den Weg zum Haus.

Der Wolf hatte einen bösen Plan. Deshalb sagte er:
„Rotkäppchen, sieh nur die schönen Blumen! Möchtest du deiner Großmutter nicht einen schönen Blumenstrauß mitbringen?“
Rotkäppchen dachte:

„Großmutter freut sich bestimmt über einen Blumenstrauß.“

Also verließ Rotkäppchen den Weg und ging tiefer in den Wald, um Blumen zu pflücken.

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Illustration zu „Rotkäppchen“, Seite 2

Während Rotkäppchen Blumen pflückte, lief der Wolf schnell zum Haus der Großmutter und klopfte an die Tür.

„Wer ist da?“, fragte die Großmutter.

Der Wolf antwortete:
„Rotkäppchen! Ich bringe dir Kuchen und Wein.“

Die Großmutter war zu schwach, um aufzustehen.
„Drück einfach die Türklinke herunter!“

Der Wolf öffnete die Tür, ging zum Bett und verschluckte die Großmutter. Danach zog er ihre Kleider und ihre Haube an und legte sich in ihr Bett.

Nach einiger Zeit hatte Rotkäppchen genug Blumen gesammelt. Es erinnerte sich an seine Großmutter und ging schnell zu ihrem Haus.

Als Rotkäppchen hereinkam, fand es alles etwas seltsam. Es ging zum Bett und sah die vermeintliche Großmutter.

Rotkäppchen fragte: „Großmutter, warum hast du so große Ohren?“

„Damit ich dich besser hören kann.“

„Großmutter, warum hast du so große Augen?“

„Damit ich dich besser sehen kann.“

„Großmutter, warum hast du so große Hände?“

„Damit ich dich besser packen kann.“

Rotkäppchen erschrak. „Aber Großmutter, warum hast du so ein großes Maul?“

Der Wolf rief:
„Damit ich dich besser fressen kann!“

Der Wolf sprang aus dem Bett und verschluckte Rotkäppchen. Danach legte er sich wieder ins Bett und schlief ein.

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Illustration zu „Rotkäppchen“, Seite 3

Bald schnarchte der Wolf sehr laut.
Ein Jäger ging am Haus vorbei und hörte das laute Schnarchen. Er wunderte sich und ging hinein. Dort sah er den Wolf im Bett liegen.

Der Jäger wollte den Wolf zuerst erschießen. Dann dachte er:
„Vielleicht hat der Wolf die Großmutter gefressen und sie lebt noch.“

Also nahm er eine Schere und schnitt vorsichtig den Bauch des schlafenden Wolfes auf.

Zuerst kam Rotkäppchen heraus. Dann kam auch die Großmutter heraus. Beide waren noch am Leben.

Rotkäppchen holte schnell große Steine. Gemeinsam legten sie die Steine in den Bauch des Wolfes.

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Illustration zu „Rotkäppchen“, Seite 4

Als der Wolf aufwachte, wollte er weglaufen. Doch die Steine waren so schwer, dass er zu Boden fiel und starb.

Rotkäppchen, die Großmutter und der Jäger waren froh, dass alles gut ausgegangen war.

Die Großmutter aß den Kuchen und trank den Wein und fühlte sich bald besser.

Rotkäppchen dachte:
„Ich werde nie wieder allein vom Weg abgehen, wenn meine Mutter es mir verboten hat.“

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