Jorinde und Joringel

Illustration zu „Jorinde und Joringel“, Seite 1

Es war einmal ein altes Schloss mitten in einem großen Wald. Dort lebte eine böse Zauberin.

Am Tag verwandelte sie sich in eine Katze oder eine Eule. Am Abend wurde sie wieder eine alte Frau.

Wer dem Schloss zu nahe kam, konnte sich nicht mehr bewegen. Junge Mädchen verwandelte die Zauberin in Vögel. Sie sperrte die Vögel in Käfige.

Im Schloss standen Tausende solcher Käfige.

In einem Dorf lebten Jorinde und Joringel. Die beiden liebten sich sehr und wollten bald heiraten.

Eines Tages gingen sie im Wald spazieren. Sie wollten etwas Zeit allein verbringen.

Joringel sagte:

„Pass auf, Jorinde! Wir dürfen dem Schloss nicht zu nahe kommen.“

Es war ein schöner Abend. Die Sonne ging langsam unter.

Nach einiger Zeit verirrten sie sich im Wald. Sie wussten nicht mehr, wie sie nach Hause kommen sollten.

Die beiden wurden traurig und machten sich Sorgen.

Plötzlich sah Joringel die alten Mauern des Schlosses zwischen den Bäumen.

Ohne es zu merken, waren sie dem Schloss zu nahe gekommen!

Joringel bekam große Angst.

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Illustration zu „Jorinde und Joringel“, Seite 2

Auf einmal begann Jorinde ein trauriges Lied zu singen:

„Mein Vöglein mit dem Ringelchen rot,
singt traurig von Leid und Not.“

Da verwandelte sie sich in eine Nachtigall!

Der kleine Vogel sang:

„Zicküth, zicküth!“

Eine große Eule mit leuchtenden Augen flog dreimal um sie herum.

„Schu, hu, hu!“, rief die Eule.

Joringel wollte Jorinde helfen. Doch er konnte sich nicht bewegen. Der Zauber hielt ihn fest.

Als die Sonne unterging, wurde aus der Eule eine alte Frau. Es war die böse Zauberin!

Sie nahm die Nachtigall und trug sie ins Schloss.

Später kam die Zauberin zurück und löste den Zauber von Joringel.

Er fiel vor ihr auf die Knie und bat:

„Bitte gib mir meine Jorinde zurück!“

Doch die Zauberin antwortete:

„Nein! Du wirst sie nie wiedersehen!“

Joringel war sehr traurig. Er weinte und rief nach Jorinde. Aber die Zauberin war schon fort.

Schließlich ging er in ein anderes Dorf. Dort arbeitete er als Schafhirte.

Doch Jorinde konnte er nicht vergessen.

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Illustration zu „Jorinde und Joringel“, Seite 3

Joringel dachte jeden Tag an Jorinde.

Oft ging er in die Nähe des Schlosses. Doch er wagte sich nicht zu nah heran.

Eines Nachts hatte er einen besonderen Traum.

Er sah eine wunderschöne rote Blume. In ihrer Mitte lag eine große, glänzende Perle.

Im Traum konnte die Blume jeden bösen Zauber lösen.

Joringel träumte auch, dass er damit Jorinde retten konnte.

Am nächsten Morgen machte er sich auf die Suche.

Er ging durch Wälder, über Berge und durch Täler.

Viele Tage suchte er nach der roten Blume.

Am neunten Tag fand er sie endlich!

In ihrer Mitte glänzte ein großer Tautropfen wie eine Perle.

Joringel nahm die Blume vorsichtig mit.

Er ging sofort zum Schloss der Zauberin.

Als er dem Schloss näher kam, konnte er sich weiter bewegen. Die Blume schützte ihn vor dem Zauber.

Er berührte das große Tor mit der Blume.

Da sprang das Tor auf!

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Illustration zu „Jorinde und Joringel“, Seite 4

Joringel ging mutig in das Schloss.

Bald hörte er viele Vögel singen.

Er folgte ihren Stimmen und kam in einen großen Saal.

Dort standen Tausende Käfige mit Nachtigallen.

Die Zauberin fütterte gerade die Vögel.

Als sie Joringel sah, wurde sie sehr wütend.

Doch die magische Blume schützte ihn. Die Zauberin konnte ihm nichts tun.

Joringel suchte nach Jorinde. Aber wie sollte er sie unter all den Vögeln finden?

Plötzlich sah er, wie die Zauberin heimlich einen Käfig wegtragen wollte.

Joringel lief schnell zu ihr.

Er berührte den Käfig und die Zauberin mit der roten Blume.

Sofort verlor die Zauberin ihre Zauberkraft.

Und plötzlich stand Jorinde wieder vor ihm!

Sie war kein Vogel mehr.

Überglücklich umarmten sich die beiden.

Dann berührte Joringel auch die anderen Käfige mit der Blume.

Alle Vögel wurden wieder zu jungen Frauen.

Endlich waren alle frei!

Jorinde und Joringel gingen glücklich nach Hause. Sie blieben zusammen und lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

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