Es war einmal ein alter Esel. Viele Jahre hatte er schwere Säcke zur Mühle getragen. Doch nun wurde er schwach und konnte nicht mehr so viel arbeiten.
Sein Besitzer wollte ihn deshalb loswerden. Der Esel merkte das und lief davon.
Er dachte: „Ich gehe nach Bremen und werde Stadtmusikant!“
Auf seinem Weg traf er einen alten Hund. Der lag am Straßenrand und atmete schwer.
Der Esel fragte: „Warum bist du so traurig und müde?“
Der Hund antwortete:
„Ich bin alt und kann nicht mehr jagen. Mein Herr wollte mich töten. Deshalb bin ich weggelaufen. Aber wohin soll ich jetzt gehen?“
Der Esel sagte:
„Komm mit nach Bremen! Wir werden zusammen Musik machen. Ich spiele die Laute und du schlägst die Pauke.“
Der Hund freute sich und ging mit.
Bald trafen sie eine Katze, die sehr traurig aussah.
„Was ist denn mit dir los?“, fragte der Esel.
Die Katze antwortete:
„Ich bin alt und kann keine Mäuse mehr fangen. Deshalb wollte meine Besitzerin mich ertränken. Ich bin weggelaufen, aber jetzt habe ich kein Zuhause mehr.“
Der Esel sagte:
„Komm mit uns nach Bremen! Du kannst auch Musik machen.“
Die Katze war froh und ging mit ihnen.
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Die drei Tiere gingen weiter und kamen an einem Bauernhof vorbei. Dort saß ein Hahn auf dem Tor und krähte so laut er konnte.
„Kikeriki! Kikeriki!“
Der Esel fragte: „Warum schreist du denn so laut?“
Der Hahn antwortete:
„Morgen kommen Gäste. Die Köchin will mich in die Suppe werfen! Deshalb krähe ich noch einmal so laut ich kann.“
Der Esel sagte:
„Komm lieber mit uns nach Bremen! Du hast eine schöne Stimme. Zusammen werden wir gute Musik machen.“
Der Hahn war einverstanden. Nun gingen alle vier Tiere zusammen weiter.
Doch Bremen war noch weit entfernt. Als es dunkel wurde, kamen sie in einen Wald und wollten dort schlafen.
Der Esel und der Hund legten sich unter einen großen Baum. Die Katze kletterte auf einen Ast und der Hahn flog bis in die Baumspitze.
Von dort oben entdeckte der Hahn ein kleines Licht in der Ferne.
Er rief: „Ich sehe ein Licht! Dort muss ein Haus sein!“
Der Esel sagte:
„Dann gehen wir dorthin. Vielleicht finden wir etwas zu essen und einen warmen Platz zum Schlafen.“
Die vier Tiere folgten dem Licht und kamen zu einem hell erleuchteten Haus.
Der Esel war der Größte. Deshalb schaute er durch das Fenster.
Der Hahn fragte: „Was siehst du, Grauschimmel?“
Der Esel antwortete: „Einen Tisch voller leckerem Essen! Und Räuber sitzen darum herum!“
„Ach, wären wir doch dort!“, sagte der Hahn.
Die Tiere überlegten, wie sie die Räuber aus dem Haus vertreiben könnten.
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Die vier Tiere hatten eine Idee.
Der Esel stellte seine Vorderbeine auf das Fenster. Der Hund sprang auf den Rücken des Esels. Die Katze kletterte auf den Hund und der Hahn setzte sich auf den Kopf der Katze.
Dann gaben sie ein Zeichen und machten alle gleichzeitig Musik.
Der Esel schrie: „I-A! I-A!“
Der Hund bellte: „Wau! Wau!“
Die Katze miaute: „Miau! Miau!“
Und der Hahn krähte: „Kikeriki!“
Zusammen machten sie einen schrecklichen Lärm!
Plötzlich sprangen alle vier durch das Fenster. Die Fensterscheiben zerbrachen und es klirrte laut.
Die Räuber erschraken fürchterlich.
„Hilfe! Ein Gespenst!“, schrien sie.
Voller Angst rannten sie aus dem Haus und flohen in den Wald.
Die vier Tiere freuten sich. Endlich hatten sie ein warmes Haus und einen Tisch voller Essen gefunden.
Sie setzten sich an den Tisch und aßen, bis sie satt waren.
Danach löschten sie das Licht und suchten sich einen Schlafplatz.
Der Esel legte sich draußen auf den Misthaufen. Der Hund schlief hinter der Tür. Die Katze machte es sich am warmen Herd gemütlich und der Hahn setzte sich oben auf einen Balken.
Bald schliefen alle vier tief und fest.
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Später in der Nacht sahen die Räuber von Weitem, dass im Haus kein Licht mehr brannte.
Ihr Anführer sagte:
„Vielleicht haben wir uns umsonst erschreckt. Einer von uns soll zurückgehen und nachsehen.“
Ein Räuber schlich vorsichtig zum Haus. Drinnen war alles dunkel und still.
In der Küche sah er zwei leuchtende Augen. Es waren die Augen der Katze. Doch der Räuber dachte, es seien glühende Kohlen.
Er hielt ein Streichholz daran, um Feuer zu machen.
Da sprang ihm die Katze ins Gesicht, fauchte und kratzte ihn.
„Miau! Fauch!“
Der Räuber erschrak und rannte zur Hintertür.
Dort lag der Hund. Er sprang auf und biss dem Räuber ins Bein.
„Wau! Wau!“
Der Räuber lief weiter über den Hof.
Doch dort stand der Esel. Er gab ihm einen kräftigen Tritt mit seinem Hinterbein.
„I-A! I-A!“
Jetzt wollte der Räuber nur noch weglaufen.
Da wurde der Hahn vom Lärm wach und krähte laut vom Balken:
„Kikeriki! Kikeriki!“
Voller Angst rannte der Räuber zurück in den Wald.
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Der Räuber kam ganz außer Atem bei seinen Freunden an.
Sein Anführer fragte: „Was ist passiert? Warum hast du solche Angst?“
Der Räuber antwortete: „In dem Haus wohnen schreckliche Wesen!“
Dann erzählte er:
„In der Küche sitzt eine böse Hexe. Sie hat mir mit ihren langen Fingern das Gesicht zerkratzt!“
Er fuhr fort:
„Hinter der Tür steht ein Mann mit einem Messer. Er hat mich ins Bein gestochen!“
„Auf dem Hof liegt ein schwarzes Ungeheuer. Es hat mich mit einer großen Keule geschlagen!“
„Und oben auf dem Dach sitzt ein Richter. Er hat gerufen: ,Bringt mir den Bösewicht her!‘“
Der Räuber zitterte noch immer.
„Dorthin gehe ich nie wieder!“
Auch die anderen Räuber hatten große Angst. Sie wollten nicht mehr in das Haus zurückkehren.
Die vier Tiere aber fühlten sich dort sehr wohl.
Sie hatten genug zu essen, einen warmen Schlafplatz und gute Freunde.
Eigentlich wollten sie nach Bremen gehen und Stadtmusikanten werden. Doch nun hatten sie ein schönes Zuhause gefunden.
Deshalb beschlossen sie, zusammen in dem Haus zu bleiben.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie dort noch heute!
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